OZ-Clothes Peg, wir wollten Outback- wir haben Outback ;-)

Hallo ihr Lieben, wir sind heute bereits seit einer Woche auf einer richtigen Rinderfarm mitten im Nirgendwo oder auch Outback genannt.

Die Farm nennt sich „Clothes Peg“ und die nächste „Stadt“ liegt ca 160 km weiter südlich….um uns herum nur ein Mix aus Wald, Steppe und Rindern. Wie wir hier hin kamen und was wir hier so tun erzählen wir euch jetzt, vorab wollen wir euch nur sagen, unsere Handys können wir hier nur zum Tetris spielen nutzen, da wir sowas von keinen Empfang haben und die Nutzung des Internets ist hier sehr teuer für die Familie bei der wir leben. Wir dürfen zwar wann immer wir möchten das Internet nutzen, aber wir möchten das nicht und beschränken uns auf eMails checken und ab und an mal einen Blog hoch laden. Fällt uns auch nicht sonderlich schwer, da unser Arbeitstage von morgens 5h30 bis abends 19h gehen, also finden wir eigentlich gar keine Zeit irgendwas zu tun außer essen und schlafen nach der Arbeit….aber auch dazu jetzt mehr.

Als wir in Atherton unseren Job verloren haben und gewaltig die Nase voll von dem Dunstkreis um Nick, machten wir uns auf nach Townsville, zurück zum Strand, zurück zum guten Wetter und weg von den schlechten Erfahrungen. Als wir Townsville erreicht haben und uns die nette Dame in der Touristeninfo außerhalb der Stadt bereits mit „no jobs at the moment“ empfangen hat, brauchten wir mal wieder einen Plan B. Also haben wir uns erst einmal am Beach etwas bräunen lassen und in unserem „Wwoofing“-Buch gestöbert. Die Reise sollte nun ins Landesinnere gehen, weg von der Küste, Richtung Alice Springs, das Herz Australiens. Bis dahin sind es allerdings einige hundert Kilometer, ohne Zwischenstopps nicht möglich….bzw auch nicht gewollt, da jede Menge National Parks auf dem Weg liegen und andere Dinge die man gesehen haben sollte.

Es gibt zwei Highways ins Landesinnere, wenn man die Straßen so nennen möchte. Der eine Highway fällt für uns von vorne herein flach, da gewisse Strecken nur für Geländewagen ausgelegt sind und das ist unser alter Herr beim besten Willen nicht. Aus dem Wwoffing Buch haben wir verschiedene Farmen die mehr oder weniger auf dem Weg liegen angeschrieben per eMail und unsere Arbeit gegen kostenfreie Übernachtung und Verköstigung angeboten. Im Landesinneren ist auch kein Fruitpicking mehr angesagt sondern fast ausschließlich Cattlefarmen….jawohl Rinderfarmen, sehr zum Leidwesen von Chris ;-) Aber, man muss alles mal ausprobieren und viel schlimmer, als den ganzen Tag auf allen Vieren fuXXXX Gurken in der prallen Sonne aus Büschen zu ziehen, kann es nicht sein! Auf unsere eMails bekamen wir sofort einige Antworten. Unter anderem einen Anruf von Joanne. Sie, ihr Ehemann und deren beiden Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren leben und Arbeiten auf ihrer Rinderfarm, ungefähr 4 Autostunden (lol, mit einem Allrad vielleicht, auch dazu später mehr ;-) ) von Townsville entfernt. Sie haben zur Zeit sehr viel Arbeit, da sie mitten im „mustering“ sind. Bedeutet, sie treiben ihre knapp 4 ½ Tausend Rinder (!) mit einem Helikopter, Motorbikes zurück zur Farm, da die Rinder auf dem ziiiiiemlich großen Land überall verteilt sind. Wieder auf der Farm werden den Männchen die Hoden entfernt, Schwangerschaftstest (die sind besonders lustig ;-) ) gemacht, Mütter und Kälber getrennt oder sowas und die Herde wird gebranntmarkt. Das alles passiert noch bis Ende des Monats. An einem Tag werden die Rinder eingefangen und am darauf folgenden werden sie „bearbeitet“. Dazwischen dann noch kochen für alle, denn alle Helfer wohnen auch auf der Farm. Bedeutet für Joanne auch die Wäsche waschen und vieles mehr. Meist gehen die Männer morgens raus und erledigen die Rindersachen und Joanne eben den Haushalt und die ganzen Tiere die noch auf der Farm so rumspringen. Emiliy und James werden zu Hause unterrichtet, das ist so üblich hier im Outback. Joanne unterrichtet sie, zwischen drin haben sie Telephone und Skype Stunden mit verschiedenen Lehrern und weitere 6 – 8 Kinder von anderen Farmern werden dazu geschaltet….alles sehr interessant zu sehen. Eben eine ganz andere Welt. Ok, soviel dazu.

Dienstagmorgen bekamen wir den Anruf von Joanne und meinten wir wären dann entweder am Donnertag oder Freitag bei ihr. Sie schickte uns eine grobe Wegbeschreibung bis zur nächst größeren Stadt und wir wollten noch mal telefonieren oder eMailen wenn wir dort angekommen sind.

Mittwochmorgen haben wir dann Townsville verlassen und sind direkt durchgefahren bis nach Hughenden (na, wie spricht man das aus ;-) ), die besagte „größere Stadt“. Als wir ankamen wollten wir ihr eine eMail schreiben, doch leider keine Internetverbindung verfügbar und bei unseren Handies das gleiche Problem. Willkommen im Outback ;-)

Nach einer Nacht in Hughenden haben wir uns Donnerstagmorgen eine Telephonzelle gesucht, es gibt immerhin zwei in Hughenden ;-)….die eine war natürlich defekt. Joanne hat uns dann den Weg noch mal genau erklärt, die Wegbeschreibung lautete folgender Maßen: Ihr fahrt 60km nördlich, dann hört die Straße auf, aber auch der Kiesweg ist gut zu fahren (öhm ja), dann weitere 100km (!) nördlich, schaut auf euren Kilometerzähler, bei 160 Kilometer biegt ihr rechts ab, dann weitere 7km und ihr seht das Haus….was für eine Beschreibung ;-) Sie meinte, sie brauche mit dem Auto 1 ¾ Stunde, also würden wir ca 2 ½ Stunden brauchen. Ok, Kurzfassung, wir sind um 10h los gefahren und waren um 15h da! Zur eurer Vorstellung, nehmt das älteste Auto was ihr kennt (damit die Akustik die gleiche ist wie bei uns ;-) ), ja gerne den alten 2er Golf von Nadine und fahrt dann solange vor der Handwerkskammer auf und ab bis ihr 160km auf dem Tacho habt….und so in etwas war die Fahrt….Mitten durchs Nichts. Ab und an kam uns ein mega Road Train entgegen, das war’s auch schon. Unser alter Hitch hat alles gut überstanden und uns sicher ans Ziel gebracht. Wo wir im Übrigen schon voller Sorge erwartet wurden. Weil wir 5 statt der üblichen 2 Stunden  gebraucht haben, hatte sich Joanne bereits Sorgen gemacht.

David und Joanne sind also die Besitzer der Farm. Sie haben zwei Kinder Emily und James, Oma und Opa leben auch hier, sowie ein Arbeiter, Jay, mit dem wir uns unsere Häuschen hier teilen. Da zur Zeit ziemlich viel zu tun ist, ist Andrew zur Unterstützung hier. Er hat eine eigene Farm, ca vier Stunden von hier, dort sind wir wohl in zwei Wochen für knapp zehn Tage um ihm ein wenig zu helfen. David bringt uns mit seinem kleinen Flugzeug „kurz rüber“….wir sind gespannt ;-) Hier läuft ziemlich alles mit dem Flugzeug. Fast jeder Farmer kann alles fahren oder fliegen. Wenn ein Unfall passiert kommt der Doktor geflogen und holt Dich mit….wir sind also bestens versorgt.

 

Unser Tag sieht so aus, wir fahren morgens um 5h30 zu einer Station, die ca ½ Stunde von hier entfernt liegt (die, die ihr auf den Photos seht), schwingen uns auf Motorräder und Quads, gehen ca. 600 – 700 Kühe mitten im Niergendwo zusammen treiben und bringen die zurück zur Station, wo sie dann meist den darauf folgenden Tag gezählt und sortiert werden. Hört sich einfach an, ist es aber nicht ;-) das Gelände ist sehr sehr unübersichtlich. Hohes Gras, Du fährst und es haut Dich einmal vom Motorrad, weil ein riesen Stein sich im Gras versteckt hat, der Dein Motorrad stoppt und Du fliegst durch die Luft ;-) aber alles ok, wir sind zwar von oben bis unten voller blauer Flecken, aber sonst ist noch alles dran ;-) wenn eine Kuh abhauen möchte, muss es eben schnell gehen. Sau lustig ist es!

 

Auf der Farm werden dann die Kühe sortiert nach Kühen die verkauft werden, Kälbchen, die anschließend ein Brandmal bekommen, ihre Hörner werden abgeschnitten (ziemlich blutige Aktion) und die kleinen Bullen bekommen die Hoden rausgeschnitten (oh ja autsch). Die Kälber, die ein halbes Jahr oder älter sind werden von da an von ihren Müttern getrennt und zurück zur Hauptfarm, hier nach Clothes Peg gebracht, wo sie die nächsten zwei Jahre verbringen und „erzogen“ werden. Die ganz kleinen gehen, nach dem Hoden die entfernt wurden zurück zu ihren Müttern. Ist das alles erledigt bringen wir die ganze Herde einen Tag später wieder zurück in den „Bush“. Bedeutet wir treiben sie ungefähr zwei Stunden mit den Bikes vor uns her und dort bleiben sie wieder bis nächstes Jahr, um die selbe Zeit.

 

Es gibt also ziemlich viel zu tun, meistens kommen wir abends gegen sieben wieder nach Hause. Lange Tage, doch es macht sehr viel Spaß, trotz des vielen Blutes. David und seine Leute machen ihre Arbeit wirklich gut und sehr human für die Tiere, also hat auch Nadine kein Problem damit, sie hat sogar am Ende des ersten Arbeitstages die gebratenen Hoden einen kleinen Bullen gegessen ;-) Chris hat sich geweigert ;-) Dafür hat er die Brandmale gesetzt ;-)

 

Wir lernen jeden Tag viele neue Dinge und fühlen uns sehr wohl hier. Weil wir unsere Arbeit wohl ganz gut machen, hat Andrew uns gefragt, ob wir ihm für einige Tage helfen können. Dann sehen wir noch eine andere Farm und können noch mehr Erfahrungen sammeln. Er hat fast nur Bullen und einige Kühe….wir werden Spermatests machen und Schwangerschaftstest. Davon wird es dann auch lustige Photos geben. Der Schwangerschaftstest zum Beispiel wird so gemacht: Du ziehst einen langen Handschuh an und gehst in den Hintern der Kuh, bis zu den Achselhöhlen und fühlst quasi ob die Kuh trächtig ist. Das wird lustig ;-)

 

Bevor wir her kamen haben wir uns zwei Dinge gewünscht: Nette Menschen und, dass es keine richtigen Hinterweltler sind….genau das haben wir bekommen. Die Familie reist sehr viel, wir essen jeden Abend mit allen zusammen viele gute Dinge wie zum Beispiel selbst gemachtes Sushi und so. Wir haben viel Spaß und fühlen uns sehr wohl. Heute ist Freitag, unser erster freier Tag. Die ganze Familie fliegt heute nach Townsville zur einer Hochzeit, Jay ist auch weg übers Wochenende, Chris und ich sind also ganz alleine in Clothes Peg bis Sonntag. Wir haben „Free time“, versorgen nur die Tiere hier.

So ihr lieben, wir ihr lesen könnt geht es uns gut.

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Kommentare: 3
  • #1

    Bine (Freitag, 10 Juni 2011 06:54)

    Wie kommt man denn auf die Idee eine Farm "Wäscheklammer" zu nennen?!?
    Na die Australier sind ja schon etwas crazy ;-) Aber dann passt ihr ja super dorthin :-p
    Wünsch euch gaaanz viel Spaß und eine tolle Zeit dort!

  • #2

    Mutsch (Freitag, 10 Juni 2011 07:58)

    Hallo Ihr Zwei,
    oh man, bin einfach nur froh von Euch zu hören. Bilder guck ich gleich... Bin froh, dass ihr es so gut getroffen habt und hoffe es bleibt auch so. Dann geniesst mal Euer freies Wochenende und lasst es Euch gut gehen..Passt auf Euch auf!!
    Drücke Euch
    GGLG Mutsch

  • #3

    Paps (Freitag, 10 Juni 2011 15:46)

    Bin froh das es Euch gut geht.
    Paps und Silke

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